Ingo Hettenhausen ist seit 10 Jahren bei Otto.de. In dieser Zeit wurden in seinem Bereich sowohl agile Arbeitsmethoden eingeführt, als auch der Wandel von Otto.de vom Händler zur Plattform angestoßen, in den das Unternehmen in den Jahren 2017 und 2018 200 Millionen Euro investierte. In dieser Episode gibt uns Ingo einen Einblick in die Produktentwicklung der Suchfunktion bei Otto.de und wie die large-scale Produktentwicklung im E-Commerce Bereich mit heute 400 Mitarbeitern und verteilter Produktverantwortung aufgestellt ist.

Über den Podcast
Digitale Leute Insights ist der Podcast für Passionate Product People. Wir interviewen Top-Produktentwickler aus aller Welt und werfen einen tiefen Blick auf die Tools, Taktiken und Methoden digitaler Professionals und Unternehmen.
Host: Stefan Vosskoetter
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Dieses Interview wurde auf dem Digitale Leute Meetup am 14. Mai bei SinnerSchrader in Hamburg aufgezeichnet. Facebook Bildergalerie.

Von Wasserfall zu Agile

Als Ingo Hettenhausen 2009 nach seiner zweijährigen Zeit als Projektmanager bei Jamba zu Otto.de wechselt, arbeitet der E-Commerce-Bereich noch im Wasserfall. Produktmanager bearbeiten Projekte und Betriebsmanager betreiben und konfigurieren bestehende Produkte. Getrieben von der Entscheidung zu einer Tech-Company zu werden, entscheidet sich das Unternehmen dafür, die Standard-Shop-Software abzulösen und komplett neu zu bauen. Das ist die Gelegenheit, um von Wasserfall auf agile Methoden und interdisziplinäre Teams umzustellen. Waren es damals noch vier Teams, sind es 2019 über 30, die für den zweitgrößten deutschen Onlinehändler die Shopsoftware entwickeln. Im E-Commerce Bereich arbeiten heute etwa 400 Leute aus UX, Softwareentwicklung, Projektmanagement und Data Science.

Arbeiten mit geteilter Produktverantwortung

Mit der Umstellung zur agilen Arbeitsweise wurde auch die Entscheidung gefällt keinen Product Owner zu haben, erklärt Ingo auf dem 7. Digitale Leute Meetup in Hamburg, bei dem wir diese Episode aufgezeichnet haben. Die Verantwortung des Scrum-Teams wird bei Otto.de auf drei Schultern verteilt: Auf den Business-Designer, der die fachliche Verantwortung trägt, den Technical Lead und den Scrum-Master, der entgegen der reinen Lehre hier auch Produktverantwortung hat.

Ingo ist der disziplinarische Verantwortliche von sechs Produktmanagern. Sie sind sowohl in der Rolle des Business-Designers in den Teams unterwegs, aber auch als Produktmanager, die den Business-Designer unterstützen. Otto.de fußt auf einer Microservice-Architektur, die in Domänen aufgeteilt ist. Ingos Produktmanager arbeiten in der Domäne “Suchen” und arbeiten dort zum Beispiel am Search-Backend, dem Searchalgorithmus, oder an der Ermittlung von Treffern und die Festlegung der Reihenfolge der Suchergebnisse.

Das Digitale Leute Meetup in Hmaburg bei SInnerSchrader.

Die Entwicklung läuft daher datengetrieben und in ständigem Austausch mit den Analysten. Bei der Discovery können die Teams auf das eigene UX-Lab zurückgreifen, in dem regelmäßig Kunden Low-Fidelity Prototypen auf Papier, Klickdummys oder auch fertige Softwareprodukte vorgelegt werden. Später im Prozess werden alle Features mit einem intern entwickelten AB-Testing-Framework vertestet. Das Bauchgefühl ist für den Produktmanager viel Wert, sagt Ingo auf der Bühne. AB-Test sind aber das Non Plus Ultra.

Tipps für das Produktmanagement

Rückblickend ist für Ingo klar: Dass der Change zu Agile funktioniert hat, liegt an der Zusammenarbeit des gesamten Hauses, dem Alignment und an der Tatsache, dass jeder Mitarbeiter dazu beitragen kann, das Produkt zu verbessern. Im Bezug auf seine Rolle hat er folgenden Tipp parat:

Verliebe dich nicht in die Lösung, sondern in das Problem.

Am Ende fragt Stefan Ingo, was ihn bewegt den Job schon seit 10 Jahren zu machen: „Ich bin ein Product-Guy. Ich baue gerne Dinge. Ich löse gerne Probleme. Das ist was mich antreibt.“

Auf dem gleichen Meetup haben wir noch folgendes Interview geführt: 
Podcast Episode 13: Matthias Henze, CEO von Jimdo über Alignment, Fokus und schlecht kommunizierte Erwartungshaltung

Shownotes

[00:01:00]  Werdegang Ingo Hettenhausen

[00:04:10] Start bei Otto.de und Status der Entwicklung

[00:04:55] Ingos Werdegang bei Otto.de

[00:06:30] Wie sind die Teams aufgebaut und mit welchen Prozessen werden die Produkte entwickelt?
[00:08:30] In welchen Bereichen arbeiten die Produktmanager?
[00:09:40] Wie werden features bei Otto.de gebaut?
[00:11:04] Welche Prozesse werden für die Entwicklung im Frontend verwendet?

[00:12:24] Wie wir das UX Lab genau genutzt? Wie detailliert sind die Prototypen?
[00:13:52] Wie geht es nach der Product Discovery weiter? Wer schreibt die User Story?

[00:14:36] Werbung für den Digitale Leute Summit

[00:15:50] Wie rollt ihr bei Otto.de neue Features aus?
[00:16:20] Welche Tools nutzt ihr für das Testing?
[00:16:40] Wie gut sind die Erkenntnisse aus den Tests

[00:20:10] Wie autonom arbeiten die Teams?
[00:21:15] Abschließende Frage zum Thema Team und Prozesse: Was hat am besten funktioniert?

[00:22:10] Blick auf die Rolle des Produktmanagers. Womit sollten zukünftige Produktmanager starten?
[00:23:40] Welchen Background haben typische junior Produktmanager bei Otto.de?
[00:25:10] Wie fokussierst und motivierst du dich auf einer persönlichen Ebene?
[00:26:10] Wie versuchst du deine Begeisterung neuen Produktmanagern mitzugeben?
[00:27:30] Wie bist du selbst in die Domäne Suche gekommen?

[00:29:25] Frage aus dem Publikum: Welche Rolle spielen Voice Assistants bei Otto.de?
[00:32:25] Frage aus dem Publikum: Ist die Suche dafür da zu verkaufen, oder das anzuzeigen, was der Kunde sucht?
[00:33:25] Frage aus dem Publikum: Wieviel Traffic hat Otto.de von Suchmaschinen? Spürt ihr Schwankungen, wenn Google etwas am Algorithmus ändert?
[00:34:50] Frage aus dem Publikum: Wie stellt ihr die Zusammenarbeit der Teams mit anderen Bereichen im Unternehmen sicher?
[00:36:50] Frage aus dem Publikum: Welche Rolle spielt bei Otto.de die Datenqualität und wie sorgt ihr dafür, dass sie besser werden?
[00:38:20] Frage aus dem Publikum: Was sind die lustigsten Sucheingaben bei Otto.de?