Wenn es eine Sache gibt, die gängigen agilen Frameworks fehlt, dann ist das Empathie. Das sagt Tim Herbig, Product Lead aus Hamburg, der unter anderem für Xing in der digitalen Produktentwicklung tätig war. Wir haben den leidenschaftlichen Produktentwickler, Buchautor und Empathie-Verfechter zur Premiere unseres Digitale Leute Podcasts eingeladen. Im Gespräch mit den Hosts Stefan Vosskötter und Thomas Riedel von Digitale Leute erklärt er sein Konzept von Lateral Leadership, das er in seinem Buch um die Säule der Empathie erweitert.

Über den Podcast
Digitale Leute Insights ist der Podcast für Passionate Product People. Wir interviewen Top-Produktentwickler aus Deutschland und werfen einen tiefen Blick auf die Tools, Taktiken und Methoden digitaler Professionals und Unternehmen.
Die Hosts: Thomas und Stefan.
Abonnieren auf: Soundcloud oder iTunes.

Zu den Shownotes

Bessere Fragen für eine bessere Produktentwicklung

Den größten Reiz hat für Tim die Position des Produktmanagers, der an der Schnittmenge der Disziplinen Tech, Design und Business sitzt. Er berichtet, wie ihn Martin Eriksson, Gründer von Mind the Product, mit dem unter Produktmanagern bekannten Venn-Diagram vor circa acht Jahren geprägt hat. Die große Kunst sei es, erklärt Tim im Podcast, sich trotz der ursprünglichen Spezialisierung als Generalist auf die Kernfunktionen des Produktmanagers zurückzuziehen. Die besteht vor allem aus Fragen, Fragen und Fragen. Bis man zum Kern des Problems durchdringt. Das sind Tims persönliche Begeisterungsmomente in der Produktentwicklung: Wenn er mit Userinterviews ein bislang unbekanntes Problem offenlegt. Als Produktmanager habe man die besseren Fragen zu stellen.

Produktentwicklung bei Xing

Als wir uns mit Tim im Podcast unterhalten, wird klar, wie sehr ihn seine Zeit bei Xing geprägt hat. Xing habe viel in das Enablement der Produktmanager investiert und ein ausgezeichnetes User Research Department, sagt er.

User Research ist ein Kern-Skill, den ein Produktmanager an den Tisch bringen sollte.

Und zwar in Abgrenzung zu Spezialistenskills wie Design oder Development, die im Team durch dedizierte Personen abgebildet werden sollen.

Im Podcast erläutert er die Produktentwicklung bei Xing anhand zweier Beispiele. Dabei macht er deutlich, dass es weniger darum geht immer den gleichen Prozess abzuspulen. Ein PM soll durch Erfahrung in der Lage sein flexibel zu agieren und je nach Aufgabenstellung die ihm zur Verfügung stehenden Frameworks einzusetzen.

Beispiel 1: Design Sprint

Anhand eines Design Sprints im Premium-Department zeigt er, wie sich das Team für zwei Wochen weggeschlossen hat, um am Ende einen validierten, digitalen Prototypen zu haben, mit dem sie in die Umsetzung gehen können. Gut an dieser Methode: Sie hilft dem PO relativ schnell sein Backlog Entwicklungs-ready zu halten.

Beispiel 2: Auftragsklärung in einem Cross-Department-Projekt

Bei diesem Projekt wurde besonders das User Research Lab von Xing genutzt. Das Problem: Für gewöhnlich muss das Lab Wochen vorher reserviert werden. Bei diesem Projekt reservierten sie das Lab einfach schon vorab für regelmäßige Interviews. So setzten sie sich selbst dem Druck aus, regelmäßig mit neuen Lösungen zu den Nutzern gehen zu können.

Lateral Leadership

Während Tim bei Xing noch direkt mit den Teams arbeitet, coacht er wenig später bei Konversionskraft andere Produktmanager. Eines der größten Probleme, welche diese im Alltag haben: Produktmanager haben keine Weisungsbefugnis, sind aber dennoch für den Erfolg verantwortlich. Lateral Leadership ist ein Modell zu führen, ohne eigentlich Macht im Unternehmen zu haben. Für Tim stellt Lateral Leadership einen blinden Fleck in der Ausbildung der Produktmanager dar. Wenn Tim den PMs vom Konzept Lateral Leadership erzählt, ist eine häufige Antwort: “Ach geil, für das Problem gibt es einen Namen.” Diese Reaktionen veranlassen ihn dazu, an einem Buch zum Thema Lateral Leadership zu arbeiten. 

Im Podcast gibt uns Tim konkrete Tipps und Tools, wie Lateral Leadership eingesetzt werden kann. Da kommt es zum Beispiel besonders auf das strategische Ausrichtung an. Denn viele Probleme des Alltags lassen sich auf Probleme im Alignment zurückführen, so Tim.

Alignment auf der Individualebene

Letztendlich kommt Tim immer wieder auf die Empathie zurück. Klassische agile Lehren vermitteln wenig über das emotionale Zusammenarbeiten der Individuen in einem Team. Stattdessen steht das prozessuale Zusammenarbeiten im Vordergrund. Tim sagt:

Emapthie ist ein Schlüssel-Skill für erfolgreiche laterale Führung. Und von dir als PO wird laterale Führung erwartet.

Zum Buch: Lateral Leadership: A practical guide to managing agile teams

Wer mehr über Tims Konzept von Lateral Leadership erfahren möchte, kann ihn am 13. November auf unserem Summit als Speaker erleben. Zusätzlich bietet Tim in Kooperation mit Digitale Leute am Tag vor der Konferenz eine ganztägige Masterclass zu dem Thema an. Hier geht es zu den Tickets für den Workshop.

Shownotes

00:00:30 Begrüßung durch Thomas Riedel und Stefan Voßkötter
00:02:13 Vorstellung Tim Herbig

00:04:38 Was begeistert dich an Produktmanagement?
00:07:29 Zwei Beispiele, wie Tim als Produktmanager bei Xing digitale Produktentwicklung betrieben hat

00:22:30 Wie funktionieren die User Research Labs bei Xing?
00:26:30 Werdegang in der Zeit zwischen Xing und heute.

00:30:50 Lateral Leadership – Wieviel ist pure Theorie, wie viel in der Praxis anwendbar?
00:32:22 Lateral Leadership – Tools
00:37:00 Lateral Leadership – Execution
00:42:20 Lateral Leadership – Empathy Mapping
00:47:40 Pre-Summit Workshop mit Tim Herbig
00:51:51 Link-Tips