Petra zeigt uns die vielfältige Arbeit als UX-Designerin bei DieProduktMacher, bei der sie nicht nur mit Sketch arbeitet, sondern auch mal den 3D-Drucker anschmeißt. Sie genießt die Freiheiten in der Münchner Agentur, erklärt uns aber, dass das nur geht, weil jeder Verantwortung übernimmt. Außerdem erzählt sie vom Surf-Office, bei dem sie mit ihren Kollegen eine Woche Workation auf Gran Canaria gemacht hat.

Vita

Petra beginnt 2011 ihr Kommunikationsdesign-Studium an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd, wechselt aber schnell in den Studiengang Interaction-Design. Sie will über den Tellerrand hinausschauen und beschäftigt sich mit 3D-Druckern und Virtual Reality. Nach ihrem Studium arbeitet sie als Freelancer unter anderem für AutoScout24. Heute ist sie UX-Designerin bei DieProduktMacher.

Tools
  • Sketch, Photoshop, Illustrator
  • Invision, Keynote
  • 3D-Drucker
  • Slack, Trello
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Wie lange bist du schon bei den Produktmachern?

Ich arbeite seit etwas über einem Jahr als Visual- und UX-Designerin bei DieProduktMacher. Davor war ich Freelancer, habe aber relativ viel für einen einzigen Kunden gearbeitet. Dann habe ich Andi kennengelernt. Er ist der Head of UX der Produktmacher, und er hat mir von seiner Agentur erzählt, die sehr interdisziplinär aufgestellt ist. Neben dem UX-Bereich gibt es einen für Technologie, Analytics und einen Bereich Produktmanagement. Das fand ich sehr spannend.

Welche Aufgaben hast du als Visual- und UX-Designerin?

Ich sehe mich ja eher als UX-Designerin, also als jemand, der sich darum kümmert, dass der User die beste Experience erlebt. Egal ob auf einer Webseite, einer App oder an anderen Touchpoints. Als Visual-Designer geht es eher um das Look and Feel, also welche Farben und Schriftarten verwendet werden. Ich habe aber relativ schnell während meines Studiums gemerkt, dass ich es spannender finde auch mal über den Tellerrand hinauszuschauen.

Was hast du ursprünglich studiert?

Im ersten Semester habe ich Kommunikationsdesign an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd studiert.

Dann habe ich aber in andere Studiengänge reingeschaut, und dort wurde auch mal gecodet, gebastelt und mit Prototypen gearbeitet. Zum zweiten Semester bin ich zum Studiengang Interaction-Design gewechselt. Und das war super, denn wir haben uns mit verschiedenen Richtungen beschäftigt. Wir haben nicht nur die gestalterischen Grundlagen gelernt und uns verschiedenste Technologien angesehen, sondern wurden während des Studiengangs auch methodisch begleitet. Gibt es Use-Cases, in denen man Virtual-Reality oder Drohnen einsetzen kann? Das war eine sehr breit gefächerte Ausbildung.

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Was hast du nach dem Studium gemacht?

Nach dem Studium bin ich als Freelancer in verschiedene Projekte reingerutscht. Das war keine bewusste Entscheidung, sondern ich dachte, ich baue mir Wissen auf, und dann schaue ich mal. So bin ich dann zu AutoScout24 gekommen. Das war spannend, weil ich als einzige Designerin direkt im App-Team saß und mit Android- und iOS-Entwicklern zusammengearbeitet habe. Da habe ich gelernt welche Assets Entwickler brauchen, kannte fast alle Edge-Cases und unterstützte die Tester. Das Team war super. Aber ich merkte einfach, dass ich noch mehr lernen wollte. Und so bin ich dann zu den Produktmachern gekommen.

An welchen Projekten arbeitest du aktuell?

Bei den Produktmachern arbeitet man eigentlich immer an mehreren Projekten gleichzeitig. Wir haben zum einen Kundenprojekte, bei denen wir ganz klassisch die Kunden unterstützen oder helfen Projekte umzusetzen. Das können zum Beispiel Webseiten sein, Apps, oder auch Interim-Support vor Ort. Zuletzt haben wir viele Projekte mit Bots, Sprach- und Gestik-Steuerung umgesetzt.

Wir machen aber auch eigene Produkte. Jeder bei den Produktmachern kann Ideen pitchen und sich einbringen. Zum Beispiel basteln wir gerade an einem IoT-Device. Ein anderes Projekt, das wir bereits umgesetzt haben, ist unser PixPecker, ein Analytics-Tool, das von unserem Analysten Tobi initiiert wurde.

Um was geht es beim PixPecker?

Unsere erste Annahme war, das Tracking auf Webseiten nicht immer fehlerfrei funktioniert und die KPIs nicht stimmen. Die Mission war herauszufinden, ob wir Analysten durch ein automatisches Tracking-Audit entlasten können.

Dazu haben wir einen Product-Discovery-Sprint gemacht, zu dem aus den Bereichen Produktmanagement, Analytics, UX und Entwicklung Leute dazugekommen sind. Da ich ganz neu in der Agentur war, habe ich auch mitgemacht, um die Methode zu lernen. Denn es ist wichtig zu verstehen, warum es wichtig ist eine Nutzerbefragung zu machen und nicht nur von der eigenen Idee auszugehen.

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Was kam bei der Befragung heraus?

Wir haben herausgefunden, dass es nicht die Analysten stört, sondern die Produktmanager, denn die müssen die Entscheidungen treffen. Und wenn die Zahlen nicht stimmen, werden falsche Entscheidungen getroffen. Außerdem sind sie von der begrenzten Verfügbarkeit von Entwicklerressourcen abhängig.

Daraufhin haben wir einen Prototypen gebaut, den wir nochmals durchgetestet haben und aus dem dann der PixPecker entstanden ist. Der PixPecker ist ein Analytics-Tool, mit dem ein Produktmanager ganz ohne Tech-Know-how sein Event-Tracking selbst einbauen kann. Die Daten laufen ganz bequem bei Google Analytics rein. Aktuell sind wir dabei Preismodelle zu testen und noch mehr Feedback einzuholen.

Welche Aufgaben hast du bei der Entwicklung des PixPecker übernommen?

Ich war beim ersten Sprint dabei, habe Interviews geführt und am Prototypen mitgearbeitet, der aus einer einfachen Landingpage bestand. Da habe ich zum Beispiel das Logo gemacht und die allgemeine Farbgebung. Die Landingpage war der erste Schritt, die wir dann weiter entwickelt haben. Da ich nicht die einzige UX-lerin hier bin, haben auch die anderen vier, die jeweils einen anderen Schwerpunkt haben, daran mitgearbeitet.

Wir priorisieren da die eigenen Produkte recht stark, denn wenn man intern an einer Idee arbeitet, verdient man ja kein Geld auf Kundenprojekten. Wir schauen dann, dass wir nicht nur an einer Produktidee arbeiten, sondern auch am Business-Modell und versuchen herauszufinden, ob sich das auch monetär lohnen würde. Das trifft sowohl auf den PixPecker zu als auch auf das Internet-of-Things-Device.

Um was geht es beim Internet-of-Things-Device?

Das Projekt fand ich sehr spannend, weil die verschiedenen Bereiche zusammengearbeitet haben. Zusätzlich haben wir noch einen Produktdesigner dazu geholt, um noch mehr Know-how reinzuholen. Wir haben in der Werkstatt den Prototypen liegen. Den kann ich dir ja gleich mal zeigen.

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Angefangen hat das Projekt mit Thomas und Fabian, die technisch schon mal mit der Entwicklung begonnen haben und mit Sensoren Luftfeuchtigkeit und Temperatur messen konnten. Sie kamen dann auf mich zu und haben mich gebeten ein Gehäuse zu entwerfen. Mir ist dann aufgefallen, dass eigentlich auch ein Gesamtkonzept fehlte. Also haben wir uns zu sechst oder zu siebt hier in den Raum gesetzt und mit Hilfe der Crazy-Eight-Methode Ideen generiert. Das sieht man noch hier an der Wand. Die Methode funktioniert so, dass man in acht Minuten Ideen generiert und nicht darüber nachdenkt, ob das nun gute oder schlechte Ideen sind, sondern ganz frei rumspinnt. Wir sind da auf sehr lustige Ansätze gekommen.

Ich sehe da ein Kaktus-Licht (schaut auf die gegenüberliegende Wand, die voller Skizzen hängt).

(Dreht sich um) Wir haben uns halt überlegt, ob man das zum Beispiel mit anderen Dingen kombinieren kann, wie zum Beispiel einem Türstopper oder etwas, das sich in den Raum integriert. Darum sind auch Blumen dabei. Das war eine super Grundlage, um zwei Dinge aufzugreifen und dann Skizzen zu machen.

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Wichtig ist auch immer zu schauen, was macht der Markt gerade. Dazu gab es eine große Recherche, und dann ging es auch schon in das Produktdesign über. Mit unserem 3D-Drucker haben wir dann einen Prototypen gedruckt, und wir sind gerade in der Testphase und schauen, ob das Konzept auch mit Daten funktioniert. In der eigens dafür programmierten App kann man die Daten dann sehen, und man bekommt auch Tipps zum Beispiel den Raum zu lüften, wenn die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist.

Welche Tools verwendet ihr bei den Produktmachern?

Dadurch, dass wir keine reine Designagentur, sondern multikulti aufgestellt sind, nutzen wir viele Tools. Als Designer nutze ich Sketch, Invision für das Prototyping. Prototyping ist wichtig in meinem Alltag, weil ich schnell etwas ausprobieren will. Letztens habe ich Keynote verwendet, um einfach mal Animationen zu testen. Dann nutze ich natürlich Illustrator und Photoshop.

Intern nutzen wir viel Slack für die Kommunikation. Weil viele Leute auch mal beim Kunden vor Ort sind, ist das ein total wichtiges Tool für uns. Ansonsten nutze ich Stift und Papier. Ich bin ein Scribble-Mensch.

Ich bin ein Scribble-Mensch.

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Wie managt ihr Prozesse?

Dazu nutzen wir Trello. Ich bin nicht so der Jira-Fan und wenn ich das hier so sage, bekomme ich bestimmt Ärger von meinen Kollegen. Aber Trello finde ich cool. Da kannst du die Aufgaben schön verteilen.

Welche Arbeitsgeräte brauchst du, um effektiv arbeiten zu können?

Ich brauche einen großen Bildschirm, einen Rechner, Tastatur und eine Maus. Das Wichtigste ist der große Bildschirm mit hoher Auflösung. Allerdings habe ich gelernt, dass es gar nicht so gut ist, wenn man einen tollen Bildschirm hat, weil man sonst viel zu schöne Sachen macht. Darum stöpsel ich das immer noch mal an einen anderen Monitor an, um das besser einschätzen zu können. Manchmal muss ich dann auch nochmals eine Schleife drehen.

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Wie sieht dein Tagesablauf für gewöhnlich aus?

Ich schaue immer, dass ich zwischen neun und halb zehn im Büro bin. Wir sind bei den Zeiten total flexibel. Wenn viel los ist im Büro, dann kann es sein, dass ich auch mal komplett im Home-Office arbeite oder erst am Nachmittag reinkomme. Und wenn ich das Gefühl habe, dass ich total unproduktiv bin, dann darf ich auch mal um drei nach Hause. Denn es macht keinen Sinn die Zeit abzusitzen und sich durchzuquälen.

Da kann es dann auch mal passieren, dass man dann in den Biergarten geht. Tschüss!

Das sind die Vorteile, wenn man in München wohnt. Gibt es irgendwelche regelmäßigen Events in deinem Tagesablauf?

Jeden Tag findet um viertel nach zehn unser Daily statt. Innerhalb von zehn Minuten besprechen wir, was sich jeder so vorgenommen hat, um einen ungefähren Überblick über die Arbeit der anderen zu bekommen. Das ist dann auch die Gelegenheit anzusprechen, wenn man ein Problem in einem Projekt hat. Das Daily ist dafür wirklich gut und darum auch wichtig.

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Was wir außerdem sehr regelmäßig machen ist der interne Freitag.

Um was geht es beim internen Freitag?

Freitagnachmittags besprechen wir die wichtigsten Agentur-Themen. Bei uns kann jeder in alles einsehen. Jeder weiß, was der andere verdient und kennt die Unternehmenszahlen. Darum besprechen wir alles Administrative, gehen Bewerbungen durch oder denken über das Marketing nach.

Da besprechen wir auch Weiterbildungsthemen, wie die Rhetorik-Schulung, die ich letztens hatte. Ich habe zum Beispiel auch mal eine Sketch-Schulung gemacht oder einen Programmierkurs oder einen 3D-Druckkurs.

Zu den regelmäßigen Events könnte man auch unser Surf-Office zählen, auf dem wir letzte Woche waren.

Surf-Office klingt nach Sylt. Was ist das?

Das war auf Gran Canaria. Die Idee ist, dass wir nicht im gewohnten Office, sondern ganz woanders arbeiten. Dazu hatten wir Plätze in einem Coworking-Space gemietet. Manche haben aber auch vom Apartment aus gearbeitet oder eine Besprechung am Strand abgehalten.

Am Anfang muss man sich erst mal an alles gewöhnen, aber dann pendelt sich das ein. Die Woche war ziemlich schnell rum, und einige wollten gar nicht mehr nach Hause fahren.

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Und was waren die Ergebnisse des Surf-Office? Wart ihr kreativer oder produktiver?

Ich weiß nicht, ob man das direkt an einer Woche messen kann. Der Ortswechsel war auf jeden Fall sehr cool. Das machen wir ja zum Beispiel auch bei unserem jährlichen Strategietag, den wir sogar komplett ohne Telefon und Computer an einem komplett anderen Ort verbringen.

Ihr könnt kommen und gehen, wann ihr möchtet, macht Surf-Offices, und sonst klingt die Arbeit hier sehr locker. Wie schafft ihr es Ergebnisse abzuliefern?

Das klappt, weil die Leute Verantwortung übernehmen. Ich glaube, das ist der Unterschied zu anderen Agenturen. Bei uns ist es wichtig, dass jeder weiß, welchen Beitrag er leistet. Man weiß, wofür man arbeitet. Diese Denke finde ich wertvoll, und das ist auch der Grund, warum ich gerne hier bin.

Was sind für dich wichtige Themen und Trends?

Ich sehe den Trend, dass man eher wieder weniger Apps hat. Wenn ein Kunde auf uns zukommt, der eine App haben möchte, dann kann er die haben, und die wird bestimmt auch super geil. Aber mittlerweile hinterfrage ich das.

Wir haben uns zum Beispiel mit dem Thema Messenger-Bots beschäftigt. Für mich als UX-lerin ist das spannend, weil es da nur um Text geht und man wieder andere Probleme hat wie eine Multi-Selection. Das Thema Voice Interfaces, die gerade in Services wie Alexa oder Google Home stark im Kommen sind, halte ich auch für sehr spannend.

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Was würdest du jungen Leuten empfehlen, wenn sie in deinem Bereich arbeiten möchten?

Ich würde ihnen empfehlen nach Schwäbisch Gmünd zu gehen. Mittlerweile gibt es dort sogar einen Studiengang Internet of Things. Ich fand es an meiner Uni schon sehr cool, weil man einen interdisziplinären Einblick bekommt aber gleichzeitig die Grundlagen der Gestaltung lernt. Das Interdisziplinäre finde ich sehr wichtig. Wir praktizieren das ja auch hier bei den Produktmachern.

Was wird in deinem Job immer wieder falsch gemacht?

Wenn Designer an etwas arbeiten und niemanden drauf schauen lassen, weil es noch nicht fertig ist. Das ist etwas, das ich ganz schnell gelernt habe: Egal wo ich gerade bin, ich zeige immer, wo ich stehe. Denn zum einen ist ein Design sowieso nie fertig. Und viel wichtiger ist eigentlich, dass Input so früh wie möglich kommt. Sonst darfst du wieder von vorne anfangen, wenn es dem Kunden nicht gefällt.

Was inspiriert dich?

Mich inspiriert Teamarbeit und einen Location-Wechsel find ich auch sehr anregend. Es muss nicht immer gleich eine Vulkan-Insel sein. Es reicht manchmal auch einfach ein anderer Raum.

Was für ein Arbeitstyp bist du: absolute Ruhe oder Heavy Metal?

Kommt drauf an. Meistens höre ich Drum & Bass und eher schnellere Musik. Darf ruhig ein bisschen härter sein. Dann bin ich im Tunnel, und ich kann mich fokussieren.

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Welche Blogs und Bücher kannst du empfehlen?

Also wenn ich etwas lese, dann sind das Fachbücher. Zum Beispiel 101 Design Methods, um mal zu gucken, was man davon für den nächsten Sprint verwenden könnte. Methodikbücher finde ich sehr interessant. In Digital Innovation Playbook werden sehr anschaulich Methoden zur Entwicklung neuer Produkte visualisiert.

Um einen Überblick über UX und die neuen Trends zu haben nutz ich Smashing Magazine, Medium, TechCrunch, t3n und Product Hunt.

Und dann schaue ich auch gerne bei Behance oder dribbble vorbei. Was andere Designer da zeigen, ist oft nicht realistisch. Aber es gibt einem immer wieder mal einen Impuls.

Bist du Seriengucker oder gehst du öfter ins Kino?

Ich schaue wenig Serien, aber ich gehe gern kickern.

Bist du gefährlich beim Kickern?

Ja. Wenn ich auf dem Kickertisch stehe.

Vielen Dank für das Interview!

Webseite: DieProduktMacher

Dieses Interview wurde am 6. Dezember 2016 in den Räumlichkeiten von DieProduktMacher gehalten.