Hallo, an welchen Projekten arbeitest du gerade?

Aktuell arbeite ich an unserem neusten Projekt CrowdTV. Wir bewegen uns hier im Bereich Plattform f├╝r Community-Management und Influencer. Die Anwendung erm├Âglicht eine direkte Interaktion und Vernetzung zwischen Fans und ihren Social-Media-Stars. Unser Start-up, die CrowdArchitects GmbH, wurde 2014 in Erfurt und nicht wie die meisten Jungunternehmen in Berlin gegr├╝ndet. Wir sind ein Team von 15 Leuten und nachdem wir der Early-Stage-Phase nun entwachsen sind, arbeiten wir an einer Series-A Finanzierungsrunde, um rasch zu internationalisieren.

Dar├╝ber hinaus arbeite ich zur Zeit daran, die Startup-Szene in Th├╝ringen sichtbarer zu machen. Unser Standort Erfurt erm├Âglicht uns ein hochprofessionelles Arbeiten, wir haben Zugang zu top ausgebildeten Fachkr├Ąften und es gibt hier keine ÔÇťoverhypedÔÇŁ Atmosph├Ąre, wo es zum guten Stil geh├Ârt, ein Startup zu gr├╝nden. Im Gegenteil: Wir m├╝ssen was daf├╝r tun, um die Leute mit den tollen Ideen und Konzepten dazu zu bewegen zu gr├╝nden und uns ein effektives Netzwerk aufbauen, dass die anderen Startup-Hotspots in Deutschland und der Welt mit einschlie├čen. Als erstes Gro├čprojekt steht aktuell die Gr├╝ndung eines Accelerators an.

Wie l├Ąuft f├╝r dich ein optimales Projekt ab? Was macht dir besonders Spa├č und nach was f├╝r Projekten suchst du?

Ein Projekt kann nur so gut sein wie das Team dahinter, welches es gr├╝ndet hat oder vorantreibt. Von daher steht am Anfang eines Projekts immer ein tolles, erfahrenes und motiviertes Team, in dem jede Person irgendein Talent in das Projekt einbringen kann. Dar├╝ber hinaus muss man sich schnell dar├╝ber bewusst werden, welche Skills man im Team nicht abbilden kann und m├Âglichst fr├╝h nach M├Âglichkeiten suchen, diese Skills extern zu besorgen.

Mir machen Projekte besonders Spa├č, in denen alle ein gemeinsames Ziel verfolgen und demnach R├╝ckschl├Ąge, die zu jedem Projekt geh├Âren, nicht einer einzelnen Person zugeordnet werden. Letztlich kann jedem ein Fehler passieren und das Team muss versuchen daraus gest├Ąrkt hervor zu gehen. Besonders mag ich den schnellen Fortschritt, den Softwareprojekte mit sich bringen. Nirgendwo anders kann man agiles Arbeiten so aktiv leben, wie mit Software. Man kann Neuerungen ausspielen und bekommt sofort Feedback von den Nutzern.

Wichtig finde ich auch, dass es in jedem Projektteam einen Team-Lead gibt, welcher die F├Ąden in der Hand h├Ąlt. Nicht als Alleinherrscher ├╝ber das Projekt, aber besonders bei ausgewogenen Teamstrukturen mit ausgeglichenen Pers├Ânlichkeiten droht ein Projekt sonst aus R├╝cksicht zueinander zum Stillstand zu kommen. Dar├╝ber hinaus sollte der Team-Lead ein Augen darauf haben, dass sich die Skills einzelner Personen sinnvoll erg├Ąnzen.

Was sind die wichtigsten Learnings, die du in deiner beruflichen Laufbahn gemacht hast?

Als Unternehmer, der eine eher fachspezifische Ausbildung durchlaufen hat als ein allgemeineres Betriebswirtschaftsstudium, musste ich mir die gesamte Klaviatur des Venture-Capital-Businesses selbst beibringen. Von der Sprache, ├╝ber Strategien, bis hin zu gesellschaftsrechtlichen Themen. Ein wichtiges Learning hier: Es handelt sich um ein richtiges ÔÇťPeoples BusinessÔÇŁ – trotz aller Digitalisierung. Man kann gar nicht fr├╝h genug damit anfangen, sich ein belastbares Netzwerk aufzubauen. Man kann gar nicht genug Leute kennen, die einem im entscheidenden Moment weiterhelfen k├Ânnen. Und umgekehrt kann man auch h├Ąufig weiterhelfen.

Dar├╝ber hinaus sollte man sich f├╝r das eigene Projekt Benchmarks als Ma├čstab in allen Bereichen aufbauen. Wie machen andere Startups gute Softwareentwicklung, Personalpolitik, Marketing oder PR-Arbeit? Und dann sollte man schnell ├╝berpr├╝fen, ob man diese Leistung selbst erbringen kann oder bestimmte Leistungen extern vergibt, um nicht unn├Âtig Zeit zu verlieren. Outsourcing ist das Stichwort. Die Kosten, die man f├╝r externe Dienstleister bezahlt, sind in der Regel geringer, als die Kosten, die man f├╝r die eigene Lernkurve aufbringen muss.

Ein weiteres wichtiges Learning besteht in Bezug auf Softwareprojekte. Durch die schier massenhaften M├Âglichkeiten in Funktionsumfang und Perfektionismus kann ein Softwareprojekt schnell ins Stocken geraten. Ist ausreichend Budget vorhanden, neigen viele Projektleiter dazu, das Entwicklerteam sehr schnell aufzubauen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mit starkem Team-Wachstum die Effizienz ├╝berproportional abnimmt. Es ist enorm wichtig, dass der Proof-of-Concept sehr fr├╝h in einem kleinen Team gemacht wird und dass sich dieser Proof auch auf die Architektur und Skalierbarkeit bezieht. Nur so kann man weiteres Personal auch sinnstiftend und effizient einsetzen.

Wie bleibst du auf dem Laufenden?

In erster Linie ├╝ber Twitter, was mir den Einstieg zu vielen Blogs ebnet. Ich habe mir diverse Twitter-Listen zu unterschiedlichen Themengebieten erstellt. Darunter Themen wie Startup-Szene, VCs, Gadget, Apple-Szene, Automotive, Regionales und viele mehr.

Ich habe zur Zeit noch ein paar Newsletter aus der Marketing- und Gr├╝nderszene abonniert. Seit Kurzem habe ich Flipboard f├╝r mich wiederentdeckt. Es gibt ein paar tolle fachspezifische Magazine bei Flipboard.

Wie folgt man Dir am Besten?

Auf Twitter unter @brandungskieker

Welche B├╝cher kannst du zu deinem Thema empfehlen?

Von Laszlo Bock das Buch „Work rulez“ und von┬áFrederic Laloux „Reinventing Organizations.“

Lieber Hannes, vielen Dank f├╝r die Beantwortung unserer Interviewfragen.