Wo einst C. Bechstein von Berlin aus seine Klaviere und FlĂŒgel produzieren und in alle Welt verschicken ließ, sendet heute ein E-Commerce Startup seine Kunden in die besten Luxushotels der Welt. Wir statten Secret Escapes einen Besuch in der Reichenberger Straße ab. Hagen Wolf nimmt uns dort in Empfang. Seit gut zwei Jahren leitet er eine kleine Abteilung, mit der er mal 10% des Gesamtumsatzes in DACH machen will. DafĂŒr schmiedet er Partnerschaften und haut in die Tasten seines Laptops. Denn E-Mail ist neben Skype und Unbounce das Tool seiner Wahl. 

Vita

2011 schließt Hagen Wolf an der Otto-von-Guericke-UniversitĂ€t Magdeburg sein BWL Studium mit Spezialisierung Entrepreneurship und E-Business ab. Seine berufliche Laufbahn beginnt bei Casacanda, das nach wenigen Monaten von Fab.com ĂŒbernommen wird. Dort steigt er zum Senior Buyer auf. Nach zwei Jahren wechselt er zu Secret Escapes, um sich als Partnerships Manager um die Demand-Seite zu kĂŒmmern. Heute leitet er ein dreiköpfiges Team.

Tools
  • Google Analytics
  • Unbounce
  • hauseigenes CMS
  • Skype
  • Cube
  • Excel, Powerpoint
  • Notepad++
Empfehlungen
  • Zeitung: FAZ
  • Buch: Black Box Thinking
Social
 

Hallo Hagen, welche Rolle spielt deine Abteilung “Partnerships” bei Secret Escapes?

Die Abteilung Partnerships ist die kleinste, aber vielleicht innovativste Abteilung bei Secret Escapes, wenn es um die Generierung von Nachfrage geht. Wir versuchen Partner zu gewinnen, um Nutzer abseits der klassischen KanĂ€le wie Google Ads, TV oder Facebook fĂŒr unser Angebot zu gewinnen. Das können zum Beispiel Verlage sein, denen wir durch unsere White-Label-Lösung ermöglichen, unser Angebote in ihre Webseite einzubinden und damit UmsĂ€tze zu erzielen.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Ein etwas anderer Besprechungsraum: Holzstufen und Graffitto.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Ein bisschen Urlaubsfeeling unter der tropischen Kaffee-HĂŒtte bei Secret Escapes.

UrsprĂŒnglich wurde “Partnerships” ins Leben gerufen, als sich Secret Escapes noch in einer frĂŒhen Phase befand, um mit begrenztem Budget Leute zu erreichen. Ich bin seit zweieinhalb Jahren dabei und habe das Berliner Office noch miterlebt, als wir fĂŒnf, sechs Leute waren. Heute sind wir etwa 60.

Wie sieht dein typischer Arbeitsalltag aus?

Zwischen 9 und 9.30 Uhr bin ich im BĂŒro. Recht spĂ€t, muss ich zugeben. Aber ich bin eher jemand, der ein bisschen spĂ€ter in Fahrt kommt.

Jeder Tag ist bei mir anders, weil ich mit den Partnern zu tun habe, und da kommt es auch auf deren Agenda an, die bestimmt, wie sie die Umsetzung von neuen Projekten priorisieren und wann sie Zeit fĂŒr Termine, Telefonate oder Skype-Konferenzen haben. Den typischen Arbeitsalltag gibt es so also nicht.

Wichtig ist mir, die Projekte mit den Partnern voranzutreiben, gleichzeitig aber auch mit meinem Team zu sprechen und zu schauen, wo wir gerade stehen. Wir schauen von Woche zu Woche, wie sich unsere Performance entwickelt.

Ein großer Teil meiner Arbeit besteht aus der Kommunikation ĂŒber E-Mails und der PrĂŒfung von Angeboten. Das sind dann meist umfangreiche Angebote, von denen sehr viele reinkommen. Bei uns verschwimmt die Trennung zwischen PR, Marketing und Partnerships bisweilen, und da gilt es dann erst mal herauszufinden, welche Art der Zusammenarbeit mit dem potentiellen Partner am erfolgversprechendsten ist.

Besonders zu Beginn der Verhandlungen mit wichtigen Partnern stehen Außentermine an. Man könnte sagen: Ich bin sehr viel in Kontakt mit der Außenwelt.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Hagen sitzt neben RenĂ©, die fĂŒr die Benelux-Region zustĂ€ndig ist.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Hagen sitzt mit seinem Team zusammen beim Marketing.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Der Arbeitsplatz von Hagen bei Secret Escapes.

Was fĂŒr Unternehmen kommen fĂŒr euch als Partner in Betracht?

Als Partner kommen vor allem große Medienunternehmen und andere E-Commerce-Unternehmen in Betracht. Das sind zum Beispiel Verlage und andere Online-Shops, die eigene Produkte oder Inhalte online anbieten. Wir schauen dann, wo sich unser Reiseangebot gut ergĂ€nzt. Diese Unternehmen nehmen unser Angebot zum Beispiel in ihren Reisechannel mit auf oder kreieren einen im Zuge der Partnerschaft. Kommt es zu einem Deal, teilen wir uns die Einnahmen, auch Jahre spĂ€ter. So haben wir das bei Travelbook gemacht, der Reisemarke der Bild GmbH.

Wie genau ist Travelbook zu einem Partner geworden?

Die Partnerschaft zu Travelbook war eine der ersten fĂŒr uns. Partnerships funktioniert in unserer Hauptzentrale in UK schon seit sechs Jahren sehr gut, und ich hatte die Aufgabe, dieses Erfolgsmodell auch in Deutschland zu etablieren. Zusammen mit unserem GeschĂ€ftsfĂŒhrer Stefan Menden haben wir dann in einem Termin vor Ort bei der Bild GmbH erklĂ€rt, wie das Modell in UK funktioniert. Dort generieren die Partner bis zu einer Million Euro an Zusatzerlösen.

Da wir ein Travel-Produkt haben, kamen wir schnell auf das Reisemagazin Travelbook zu sprechen. Das ist ein Produkt der Bild GmbH. Weitere GesprÀche fanden dann direkt mit Travelbook statt. Die Frage war unter anderem, ob sie eine eigene Marke aufbauen wollen oder Secret Escapes bewerben. Die Entscheidung fiel auf Travelbook Escapes, eine eigene Marke, sehr nah an unserer. Und dann ging das Projekt auch schon an die Technik-Abteilung zur Umsetzung. Dort wurde die CI von Travelbook umgesetzt, die SSL-Zertifikate eingebaut und das Tracking installiert.

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Warst du auch bei den Vertragsverhandlungen dabei, und wie sahen die aus?

Ja. Zusammen mit dem GeschĂ€ftsfĂŒhrer. FĂŒr uns war das der erste große Deal und dadurch besonders wichtig. Wir mussten ziemlich viel verhandeln. Denn wenn man noch nie zusammengearbeitet hat, muss man sich das Vertrauen erst erarbeiten. FĂŒr Medienunternehmen ist es ja eher ungewöhnlich, sich auf einen variablen Revenue Share einzulassen, wenn deren GeschĂ€ftsmodell vornehmlich eine fixe VergĂŒtung der WerbeflĂ€chen vorsieht.

Wir hatten das GlĂŒck, dass es sich bei Travelbook selbst um ein junges Magazin handelt, das innovativ denkt. Nach vielen persönlichen Treffen, bei denen wir uns ausgetauscht und viele kleinere Fragen beantwortet haben, konnten wir uns dann einigen.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Das helle und offene GroßraumbĂŒro von Secret Escapes in Berlin.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Manchmal tut es auch ein Ikea-regal als Raumtrenner.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Hagen Wolf nutzt an seinem Arbeitsplatz einen stationÀren PC.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Das Office in Berlin bietet eine Vielzahl an RĂŒckzugsmöglichkeiten.

Wie sehen denn solche Vertragsverhandlungen aus, wenn sie nicht so gut laufen?

Das ist dann der Fall, wenn der Begriff “Partnership” so verstanden wird: Was macht ihr fĂŒr mich? Wenn von der anderen Seite quasi nur Forderungen kommen, aber nicht verstanden wird, dass wir versuchen, Synergien herzustellen. Wir sind ja kein Dienstleister, sondern wir wollen eine gemeinsame Kooperation entwickeln. Das kann dann auch mal zu Frust fĂŒhren.

Wenn sich nichts bewegt, sollte man nicht zu sehr an einem Projekt hĂ€ngenbleiben. Oft verliebt man sich aber in eine Idee, und wenn man sich das nicht frĂŒh genug eingesteht, entstehen spĂ€ter hĂ€ufig große Probleme. Shit hits the fan!

Man muss sehr hÀufig nein sagen können. Das ist manchmal gar nicht so einfach, wenn man ein Projekt eigentlich sehr spannend findet, aber die Aussicht auf Erfolg zu gering ist

Wie sieht dein Arbeitsplatz aus, und welche Tools nutzt ihr?

Ich habe einen festen PC, den ich auch 85 Prozent der Zeit brauche. Direkt um mich herum sitzt mein Team. RenĂ©e ist fĂŒr den Benelux-Markt zustĂ€ndig, und Nils macht ein Praktikum bei uns (mittlerweile in Festanstellung). Er ist sehr in das Management der Partner involviert. Da es in unserem Unternehmen kurze Wege gibt, kann ich tatsĂ€chlich recht viel mĂŒndlich klĂ€ren. Ansonsten nutzen wir Skype. FĂŒr Meetings, oder wenn ich außer Haus bin, nutze ich einen Laptop.

Unser wichtigstes Tool ist Google Analytics, mit dem wir die Performance der Partner tracken. Ganz neu bei uns ist das Tool Unbounce, mit dem ich spezielle Landing Pages baue und auch A/B-Tests aufsetze.

Über unser hauseigenes CMS ziehen wir fĂŒr uns und unsere 60 Partner verschiedene Reports, die wir dann mit Excel weiterverarbeiten.

Ein super Tool ist Cube, ein eigenes Tool zur Datenverarbeitung, das die Automatisierung und Darstellung dieser Reports ĂŒbernimmt. Einmal am Tag machen wir damit sozusagen einen Screenshot unserer Daten, auf die wir dann viel leichter via Excel zugreifen können.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Ein bisschen wie im Urlaub ist es zumindest im Empfangsbereich des Berliner Office.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Secret Escapes bietet HotelschnĂ€pchen auch außerhalb Deutschlands an.

Was war in deiner Karriere ausschlaggebend, um diesen Job heute so machen zu können?

Mein letzter Job als EinkÀufer war da sehr wichtig. Wir hatten viele Management- und Verhandlungstrainings. Dort habe ich viel gelernt, insbesondere mit Leidenschaft zu arbeiten und stÀndig kreative Lösungen zu finden.

Wie sieht dein Werdegang aus?

Mein Interesse fĂŒr Mathematik hat mich zunĂ€chst zum Studium des Wirtschaftsingenieurwesens fĂŒr Elektrotechnik gebracht. Ich habe dann aber nach einem Semester gemerkt, dass mich Wirtschaft noch mehr begeistert. Darum spezialisierte ich mich auf Entrepreneurship und E-Business. Nach dem Studium war ich dann bei Casacanda, einem E-Commerce-Startup fĂŒr Flash Sales. Das Konzept ist Ă€hnlich zu unserem, aber nicht fĂŒr Reisen, sondern fĂŒr physische Produkte, die nur fĂŒr einen begrenzten Zeitraum angeboten werden.

Casacanda wurde von Fab.com ĂŒbernommen, und ich war dort als EinkĂ€ufer tĂ€tig. Diese Aufgabe war fĂŒr mich herausfordernd, weil ich nicht so der typische EinkĂ€ufer bin. Ich denke eher analytisch und das hat mir, glaube ich, einen strategischen Vorteil verschafft. Nach zwei Jahren ging Fab leider in die Insolvenz. Bis dahin hatte ich ausschließlich die Supply-Seite kennengelernt und war nun neugierig auf die Demand-Seite. Gleichzeitig wollte ich noch strategischer und innovativer arbeiten. Meine alte Chefin bei Fab hat mich dann bei Secret Escapes vorgestellt.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Als SchalldÀmmung dient nur der Himmel im Berliner Office von Secret Escapes.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Modernes Lampendesign im Berliner Office von Secret Escapes.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Im Berliner Office von Secret Escapes sitzen bis zu 60 Mitarbeiter.

Hast du schon mal einen Fehler gemacht, den du am liebsten streichen wĂŒrdest?

Ja, aber ich weiß nicht, ob ich den jetzt erwĂ€hnen sollte. Vielleicht ist das aber doch ein ganz guter Zeitpunkt! Denn ich habe gerade ein Buch gelesen, Black Box Thinking, bei dem es darum geht, dass es gut ist, schwĂ€chere Momente anzuerkennen.

Das war direkt nach Fab.com. Da war ich einen Monat bei einem vergleichbaren Flash Sale Unternehmen. Man hatte mir versprochen, dass ich einen Bereich aufbauen darf. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass fĂŒr mich die AtmosphĂ€re nicht funktioniert. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es auch ein wichtiges Learning war. Ich habe mich zu schnell dafĂŒr entschieden, ohne tiefer darĂŒber nachzudenken, ob die Firma der richtige Fit fĂŒr mich ist.

Was inspiriert dich? Hast du Vorbilder?

Ich habe zwei Vorbilder, die mich inspirieren. Zum Einen mein alter Chef von Fab, zum Anderen mein aktueller Chef. Zwei sehr unterschiedliche Charaktere, die mich beide nachhaltig beeindruckt haben und verkörpern, wo ich mal gerne hinkommen wĂŒrde.

Der Eine ist energiegeladen und hat eine Passion fĂŒr alles, was er macht. Er ist der Typ, der dir sagt, warum du das alles machst. Der Andere ist ruhig und analytisch. Er ist ein Zuhörer und versteht das GegenĂŒber so unglaublich gut, dass er erkennt, wie man gemeinsam auf eine Linie kommt. Er ist ein guter Netzwerker und schafft es auch, verschiedene Projekte zum Erfolg zu fĂŒhren.

Eine Kombination aus beiden wĂŒrde ich gerne sein.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Gruppenfoto des Partnerships-Teams: Hagen, René und Nils.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Das vollstÀndige Team der Abteilung Partnerships bei Secret Escapes.

Was muss man mitbringen, um deinen Job machen zu können?

Vor allem muss man analytisch denken können und auf die Zahlen achten. Denn es geht um Business-Cases, die du vorher entwickelst und spÀter analysierst. Man muss alles immer wieder hoch- und runterrechnen!

Außerdem ist Eigeninitiative wichtig. Wenn etwas nicht klappt, dann musst du selbst schauen, wie du eine Lösung fĂŒr das Problem findest. Verhandlungsgeschick ist auch wichtig, denn man muss darauf achten, nicht allzu viel herzugeben, aber eben auch Vertrauen zu schaffen.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Ein Globus gehört in jedes Startup, das sich mit Reisen beschÀftigt.

Digitale Leute - Hagen Wolf - Secret Escapes - Wo einst Bechstein seine berĂŒhmten Pianofortes produzierte, sitzen heute Digitalagenturen und Startups, unter anderem Secret Escapes.

Welche BĂŒcher oder Blogs kannst du empfehlen?

Generell wĂŒrde ich Newsletters wie Internet World Business und Blogs empfehlen, mit denen man sich einen Überblick ĂŒber die Medienwelt verschaffen kann. Es ist hilfreich, sich auf Events zu vernetzen und ab und zu mal die FAZ zu lesen.

Ansonsten finde ich BĂŒcher gut, die die Denkweise neu strukturieren. Black Box Thinking habe ich ja schon mal erwĂ€hnt. In dem Buch geht es um das GefĂŒhl, die eigenen Fehler nicht sehen zu wollen, aber andere umso mehr auf ihre Fehler hinzuweisen. Aber Fehler sind eigentlich das, was uns weiterbringt in dieser Welt. In der Wissenschaft zum Beispiel musst du Fehler machen, um weiterzukommen. Bei Ärzten hingegen sind Fehler ein Tabu-Thema. Ich möchte in meinem Team einen offenen Umgang mit Fehlern. Denn Fehler, das ist nichts Schlechtes. Das ist die Chance sich weiterzuentwickeln.

Vielen Dank fĂŒr das Interview!

Das Interview wurde am 9. September in den RĂ€umlichkeiten von Secret Escape in Berlin gehalten.

Webseite: Secret Escape