Eurowings muss beim Thema E-Commerce in der Luftfahrt komplett neu denken. Es geht darum, mehr als nur Sitze in Flugzeugen zu verkaufen.

Über diesen Talk

Mehr als 700 Bewerbungen hat Oliver Schmitt noch zu lesen, als er auf dem Digitale Leute Summit 2018 über Digitalisierung in der Luftfahrt spricht. Der Geschäftsführer der Eurowings Digital kann sich nicht über mangelndes Interesse von Entwicklern beklagen. Nicht mehr: Dass Eurowings inzwischen ein begehrter Arbeitgeber für digitale Professionals ist, hat mit der Ausgründung des Digitalzweigs in eine eigene Tochter zu tun. Der Zusatz “Digital” signalisiert den IT-Bewerbern: Hier geht es nicht zum Konzern, sondern in ein neues, agiles Unternehmen. “Employer Branding ist wahnsinnig wichtig geworden”, sagt Oliver im Talk mit Piabo-Chef Thilo Bonow. Mit der neuen Abteilung möchte Oliver Eurowings es schaffen, “die ideale digitale Experience für die gesamte Reisekette anzubieten.” Die ersten Ideen, wie das gelingen kann, gibt es bereits.

Über Oliver Schmitt

Als VP Sales, Distribution and Digitalisation und Geschäftsführer der Digitaltochter von Eurowings hat Oliver Schmitt bei der Fluglinie eine Doppelfunktion inne. 2017 kam Oliver vom Telekommunikationsunternehmen Telefonica zu Eurowings. Seit Anfang 2018 baut er dort die ausgegründete Digitalabteilung auf.

Mit diesen digitalen Lösungen will Eurowings Flugreisen verbessern

Im Talk erläutert Oliver Schmitt, warum es für Eurowings der richtige Schritt war, eine eigene Digitalabteilung außerhalb des Konzerns aufzubauen. Die Kultur in der Luftfahrt unterscheidet sich grundlegend von der agilen Arbeitsweise moderner Softwareunternehmen, erklärt Oliver: “Die Mission von Eurowings ist es erstmal, Flugzeuge in der Luft zu halten.” Das Arbeiten mit MVPs, nutzerzentriertes Denken, alles Dinge, die sich nicht mit einem Umfeld vertragen, in dem alles “tausend Mal abgesichert sein muss”.

„Niemand steigt in ein agil gebautes Flugzeug.“

Lange Jahre war die wichtigste Aufgabe eines Flugunternehmens, möglichst viele Sitze zu verkaufen, um Flugzeuge vollzumachen. Das hat natürlich weiterhin Priorität, ist aber nur ein Teil der Mission im Digitalgeschäft. 1,5 Milliarden Umsatz mache Eurowings im E-Commerce-Geschäft. Doch die Margen bei den Flügen sind gering. “Verdienen tun wir mit Zusatzgeschäften”, erklärt Oliver. Und da arbeitet Eurowings Digital bereits an einer Reiher von Ideen, die attraktiver zu gestalten. Oliver skizziert drei Beispiele, wie Eurowings mit digitalen Lösungen seinen Service verbessern könnte.

1. Preisgestaltung

Bislang denken Fluglinien hauptsächlich in leeren Sitzen, die zu einem bestimmten Preis verkauft werden müssen. Oliver wünscht sich, flexibler zu werden und zum Beispiel dem Geschäftsreisenden andere Angebote machen zu können als dem Studenten.

2. Services als Push-Angebot

Man kommt am Flughafen an und sieht, die Schlange am Gate ist meterlang. So mancher denkt sich jetzt: “Hätte ich doch mal die Fastlane dazugebucht.” Oliver möchte, dass das mit ein paar Klicks auf dem Smartphone noch schnell vor Ort möglich ist. Und der Kunde auch im richtigen Moment daran erinnert wird.

3. Intelligentes Reisen

Wann muss ich zu Hause ins Taxi steigen, um rechtzeitig am Flughafen zu sein? Eine Frage, die sich viele Reisende stellen. Gemeinsam mit MyTaxi arbeitet Eurowings an einer digitalen Lösung für das Problem. Nicht der Reisende muss sich überlegen, wann er das Taxi bestellen muss. Stattdessen kalkuliert eine App aus Entfernung, Wartezeiten und Flugdaten, wann das Taxi vor der Tür stehen muss, und bestellt es zur richtigen Zeit.

Dieser Talk entstand beim Digitale Leute Summit 2018. Alles rund um den Digitale Leute Summit 2019 gibt es hier!