Hallo, an welchen Projekten arbeitest du gerade?

Bis vor kurzem habe ich noch an Konzept und Design einer nativen Mobile App  (iOS und Android) für eine renommierte deutsche Dating – Community gearbeitet. Die App ist nun released, yeah ?

Bei TeamShirts haben wir im Januar begonnen, unseren Konfigurator von Grund auf neu zu bauen. Neues Konzept, optimierte Nutzerführung, komplett neue Web Application, Mobile first und mit allem Pipapo. Hier werde ich noch bis voraussichtlich Ende August arbeiten. Danach, mal schauen 🙂

Abgesehen von meinen Kundenprojekten arbeite ich seit ein paar Wochen an einem kleinen Online Magazin für Freelancer in der Kreativindustrie. Interviews, Erfahrungsberichte, Tipps – als Website und Podcast. Das erste Interview ist im Kasten, weitere sind schon geplant. Aktuell arbeite ich noch an Konzept, Branding und Website. Das Ziel ist, im August online zu gehen und die ersten Interviews zu veröffentlichen ?

Wie läuft für dich ein optimales Projekt ab? Was macht dir besonders Spaß und nach was für Projekten suchst du?

Die Existenz eines „optimalen Projektes“ würde ich aus meiner Erfahrung erstmal generell in Frage stellen. Irgendwas ist immer, oder so. Aber klar, optimaler Weise arbeite ich in einem motivierten, sympathischen und professionellen Team. Wir haben eine  Vision und stecken dazu die Ziele gemeinsam ab. Verbunden damit ist ein klarer und strukturierter Prozess, der dennoch jedem Einzelnen die Freiheit und Flexibilität bietet, sich selbständig und jederzeit einbringen zu können. Am Ende gibt’s ein Produkt, oder ein Resultat, in welcher Form auch immer, mit dem alle, allem voran der Kunde, zufrieden weiter arbeiten kann. Wirklich zu Ende ist in unserem Bereich ja eher selten etwas. Agile, Iterations, MVP und co haha.  

Was mich direkt auch zu den Spaßfaktoren bringt. Gerade bei größeren und längerfristigen Aufträgen ist es manchmal nicht leicht, sich selbst bei Laune zu halten. Da dreht man dann eben die vierte Runde an einem scheinbar kleinen und banalen Feature. Aber die Mischung aus Problemstellung, Ideation, Research, Prototyping, Design und Testing machen den Weg zum fertigen Produkt meist auch sehr spannend. Aber eben auch sehr mühselig und kleinteilig, manchmal.

Ich habe Bock auf nahezu alles im digitalen Bereich. Web, App, IOT, Startup oder größeres Unternehmen, kurz- oder längerfristig; alles super, so lange es meinen ethisch-moralischen Grundsätzen entspricht. Aber das kommt dann natürlich immer auf die konkreten Projekte an. Gerne remote, aber nach Absprache auch vor Ort.  Am liebsten im Team, aber kleinere Sachen auch mal als Einzelkämpfer. Wichtig ist mir, dass ein grundlegendes Verständnis vorhanden ist, was Design angeht und die damit verbundene Wertschätzung.

Was sind die wichtigsten Learnings, die du in deiner beruflichen Laufbahn gemacht hast

Kommunikation und Klarheit ist alles. Das bedeutet ständige Transparenz und Updates innerhalb des Teams. Erwartungshaltungen und unterschiedliche Interpretationen sind schnell mal der Killer einer guten Idee, eines guten Features oder auch einer im Ansatz guten Umsetzung. Auch hier gilt: Klarheit und ständiges Abstimmen sind unabdingbar.

Remote-Work kann kompliziert sein. Die idyllische Idee von überall und jederzeit Arbeiten zu können ist gerade im produktbezogenen Kontext mitunter sehr schwer zu realisieren. Höherer Kommunikationsaufwand durch die Abstimmung über verschiedene Zeitzonen hinweg. Oder auch das schlichte Arbeiten vom Home-Office ist zumindest für mich häufig weniger produktiv und mit mehr Ablenkungen versehen, als im eigenen Büro, oder direkt beim Kunden vor Ort.

Bei der Umsetzung von Designs ist es trotz Handover-Tools wie Zeplin oft notwendig die ein oder andere extra „QA-Runde“ zu drehen, um eine gute Umsetzung der gelieferten Designs sicherzustellen. Aber hier habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass je eingespielter das Team und klarer die Prozesse und die unmittelbare Abstimmung ist, desto geringer der anschließende Aufwand. Meistens gibt’s dann eben noch mal ne Runde „Pair design / coding“ und dann geht das schon.

Als einziger Designer an einem kompletten Produkt all-umfänglich zu arbeiten, kann teilweise ein richtiger „pain in the ass“ sein. Ich denke, weil das Sparring fehlt. Ein oder mehrere Designer, um sich auszutauschen und kleinere oder auch größere Probleme schneller und mitunter auch pragmatischer zu lösen, helfen sehr. Gerade wenn man sowohl an der UX und grundlegend konzeptionellen Punkten, als auch am Visual Design und der Animationen arbeitet, passiert es mir noch immer, dass ich mich erwische, wie ich mich in Details verliere. Ein kurzes Sparring in einem Design Team ist da glaube ich sehr viel Wert und macht mit den passenden Leuten außerdem auch mehr Spaß.

Wie bleibst du auf dem Laufenden?

In den letzten Monaten und Jahren ist es ja fast schon schwierig im Design- und UX-Bereich irgendwie nicht auf dem Laufenden zu bleiben. Es gibt etliche hochwertige Kanäle die es zu checken lohnt. Ich schaue vorrangig bei Designernews, Twitter und Medium rein. Von Galerien und Inspirationsseiten halte ich mich inzwischen weitestgehend fern, außer für gezielte Recherchen. 

Wie folgt man Dir am Besten?

Einige Infos und Projekte sind auf meiner Website zu finden. Weitere Arbeiten und work-in-progress Stuff gibt’s auf Dribbble, ansonsten noch auf Twitter und ganz seriös auf Linkedin.

Welche Bücher kannst du zu deinem Thema empfehlen?

In letzter Zeit kommen Bücher viel zu kurz bei mir, um ehrlich zu sein. Aber meine all time faves wären in unserem Bereich: „The Design of Everyday Things“ von Don Norman und „Formbewusstsein: Eine kleine Vernetzung der alltäglichen Dinge“ von Frank Berzbach.

Um es nicht nur auf Bücher zu limitieren: Das Offscreen Magazin ist ebenfalls eine super Inspirationsquelle im kompakten Format.

Lieber Justin, vielen Dank für die Beantwortung unserer Interviewfragen.