Hallo Linda, an welchen Projekten arbeitest du aktuell?

Konkret baue ich gerade ein digitales Geschäftsmodell für eine andere strategische Geschäftseinheit der REWE auf. Bevor wir den Rollout beginnen, definieren wir hierbei sehr genau den USP, wir arbeiten die Differenzierung gegenüber dem Wettbewerb heraus und legen fest, welche KPIs wir zur Erfolgsmessung nutzen wollen. Häufig startet ein solches Projekt mit einer Reihe von Workshops, bei denen wir alle Stakeholder mit einbeziehen – in diesem Fall das Category Management, die Bereiche Operations und Marketing sowie den Kundenservice. Mit der Einheit REWE digital bauen wir das Know-How intern auf und geben es an andere Geschäftseinheiten weiter. Deshalb greifen wir nur sehr wenig auf externe Agenturen, Berater oder Freelancer zurück.

Im Allgemeinen unterteilt sich meine Arbeit in Projekte, bei denen es um die Digitalisierung von bestehenden Prozessen der REWE Gruppe geht und Projekte, bei denen neue Innovationen von außen über Kooperationen oder auch Beteiligungen an Startups in die Gruppe hineingetragen werden. Das Spektrum ist ziemlich groß, da REWE neben dem Food-Segment auch die Toom Baumärkte und eine große Touristik-Sparte hat und das alles in mehreren Ländern.

Teilweise initiieren mein Team und ich solche Projekte, teilweise werden wir auch hinzugezogen und begleiten bestehende Initiativen. Ich persönlich bilde so etwas wie eine Schnittstelle zwischen REWE bzw. REWE digital und der Welt der Startups, Investoren und Teilnehmern in anderen Märkten. Wie versuchen Partner zu identifizieren, mit denen wir uns für beide Seiten gewinnbringend austauschen und vernetzen können.

Der Omni-Channel-Handel wandelt sich derzeit so stark, dass es nicht leicht ist, alle Themen und Möglichkeiten zu überblicken, zu bewerten und dann auch testweise umzusetzen. Wir haben intern bisher einen ganz guten Weg gefunden, mit dem wir viele Stakeholder aus dem Konzern an einen Tisch bzw. auf eine Linie bringen, um Projekte agil und schnell umzusetzen. Für einen Konzern wie die REWE ist es natürlich nicht so leicht, nach Startup-Manier mit einem MVP in den Markt zu gehen, da unsere Kunden natürlich eine hohe Qualität von uns erwarten.

Allerdings sind wir schon recht schnell und rollen Themen auch in Tests in begrenzten lokalen Märkten aus, um zu sehen wie sie vom Kunden angenommen werden. Ganz wichtig ist uns, die Umsetzung im Auge zu haben. Wir wollen keine Konzepte und Powerpoints produzieren, die dann im Schrank landen.

Was ist das ideale Projekt für dich?

Idealtypische Projekte aus unserem Team sind z.B. der lokale Test der Lieferflat und ggf. deren künftiger Rollout oder unser Rezept Mapper, mit dem über einen einzigen Klick ganze Rezept-Zutaten online bestellt werden können. Hier begleiten wir die Themen in der Strategie von A bis Z – von der Idee, der Konzeption über die Umsetzung bis in den Rollout.

Impulse für solche neuen Features, Produkte oder andere Innovationen können wie gesagt aus vielen Richtungen kommen. Wir veranstalten bspw. regelmäßig Hackathons bei denen konkrete Ideen entstehen, die wir dann auch weiter vorantreiben.

Wenn wir solche Initiativen aufnehmen und dann bewertet haben, geht es in Richtung Produktmanagement. Die Product Owner werden dann gebrieft und beginnen mit der Priorisierung und Überführung in die Produktentwicklung. Wenn man dann schnell eine Umsetzung sieht, ist das schon ziemlich ideal.

Was sind die wichtigsten Learnings, die du in deiner beruflichen Laufbahn bisher gemacht hast?

Ganz klar: “Team, Team, Team”. Sowohl hier als auch in meinen Stationen vorher, hat es immer einen riesen Unterschied gemacht, was die Leute inhaltlich treibt und dass man sich skill-basiert ergänzt.

Als wir damals mit unserem Startup Meisterclass.de die Finanzierung hatten und sehr gut qualifizierte Leute einstellen konnten, war es uns immer wichtig zu verstehen, was die Leute wirklich treibt und nicht nur auf ihre Hardskills zu schauen. Gerade in Krisensituationen oder bei zentralen wichtigen Entscheidungen merkt man dann, ob man das gleiche Wertesystem hat.

Hier bei REWE ist es sehr spannend die Kollegen mit ihren extrem unterschiedlichen Hintergründen immer wieder begeistert gemeinsam in eine Richtung laufen zu sehen. Da sind alle Umfelder dabei: Leute aus Startups, ehemalige Berater oder Urgesteine mit langer Konzernhistorie. Die Leute denken alle anders und das bringt das Team aber auch mich persönlich enorm weiter.

Vielleicht zuletzt, dass Herausforderungen und der Schritt aus der Komfortzone heraus mich persönlich häufig sehr viel weiter gebracht haben.

Wie bleibst du auf dem Laufenden? Welche Blogs kannst du empfehlen?

Ich lese natürlich die bekannten Startup-Medien aber ich habe aufgehört 700 Feeds zu lesen. Richtig gut gut funktioniert Facebook für mich, da poppen immer wieder super Quellen auf. Ansonsten: https://www.saastr.com/, http://a16z.com/, https://bothsidesofthetable.com/, http://christophjanz.blogspot.com/,  Ich habe das recht gut strukturiert, wem ich da folge. Eine Buchempfehlung habe ich: “Boo Hoo: A Dot Com Story!” Hat mich beeindruckt und zeigt so viele Dinge, wie man sie nicht machen sollte.

Wo folgt man dir am besten?

Am besten im Belgischen Viertel in Köln, wer mag auch auf Facebook.

Linda, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!